Waldbildungstag des Kreiswaldbauverein Neuwied am 17.08.2011

Übung macht den Meister – Information und Weiterbildung gehört  zu den wichtigsten Aufgaben des Kreiswaldbauvereins und dafür veranstaltet er regelmäßig sog. Waldbildungstage. Hierbei werden vor Ort im Wald anhand praktischer Beispiele konkrete Fragen des  naturnahen Waldbaus erörtert.

 

Die Vorsitzende Dr. Gisela Born-Siebicke freute sich über die rege Teilnahme bei der jüngsten Veranstaltung in St. Katharinen. Ziel der Exkursion war ein vor etwa 25 Jahren gepflanzter Buchenbestand der Besitzerfamilie Erich Lorscheid – gemessen am üblichen Nutzungsalter von Buchen mit ca. 120 Jahren also fast noch eine „Kinderstube“ des Waldes, auch wenn sich der Baumbestand angesichts guter Bodenverhältnisse (typische Basaltverwitterungsböden der Region) mit einem dicht geschlossenen Kronendach darstellte.   Waldbaulich vorausgegangen war in früheren Jahren bereits eine erste Durchforstungsmaßnahme, die  eine Freistellung von 66 Zielbäumen je Hektar für die Bildung des „reifen“ Bestandes vorbereiten sollte.

Unter der fachkundigen Anleitung von Dieter Steinebach, dem Privatwaldbetreuer des Forstamtes Dierdorf,   konnten die Besucher konkrete Probleme der Bewirtschaftung junger Forstbestände  bearbeiten.

Dabei zeigte sich, daß sich auch im Kleinprivatwald durch zielgerichtete Eingriffe bei der Jungbestandspflege viele Gestaltungsmöglichkeiten ergeben. Viele Fragen mußten die Waldfachleute dabei abwägen, beispielsweise

 

  • Sind die früher ausgewählten  Zukunftsbäume – die sog. „Z-Bäume“ – beurteilt nach Vitalität,  Qualität und Verteilung, tatsächlich geeignet,  das künftige Gerüst des Bestandes zu  bilden?
  • Welche der gleichzeitig mit aufgelaufenen Mischbaumarten – Kirschen, Eichen, Nußbäume, Tannen –  passen standortgerecht zu den jungen Buchen, um einen stabilen Mischbestand zu begründen?
  • Welche spezifischen Ansprüche haben die einzelnen Baumarten an Licht und Freiraum, um eine  optimale Entwicklung ihrer Kronen sicherzustellen?
  • Möchte der Waldbesitzer eher frühzeitig Holz für Energiezwecke entnehmen oder stellt er die jungen Zukunftsbäume so frei, daß später kräftige  hohe Stämme einzeln als Sägeholz geerntet werden können?
  • Wann und wie stark muß man das Kronendach der Bäume auflichten, um rechtzeitig eine standortgerechte Naturverjüngung auflaufen lassen zu können?



Das Besondere an diesem Tag: Anhand eines konkreten Beispiels setzte Waldbesitzer Erich Lorscheid die Vorschläge der fachkundigen Besucher zwecks Überprüfung gleich um und stellte eine junge Buche von ihren „Bedrängern“ frei. – Nur, ob die richtigen Entscheidungen getroffen worden sind, wird sich erst am Wachstum der Bäume und der Entwicklung des Gesamtbestandes in den nächsten Jahren feststellen lassen. Naturnaher Waldbau braucht ein langes Gedächtnis – und daher sagten sich die Besucher gleich zum nächsten Besichtigungstermin in einigen Jahren bei Familie Lorscheid an.