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FFH Bewirtschaftungsplanflächen im Kreis Neuwied

Unser Wald – die grüne Lunge des Kreises

Der Kreiswaldbauverein Neuwied im Spiegelbild von Forstpolitik und Umweltverständnis.

Auszug aus dem „Heimatjahrbuch 2005 Landkreis  Neuwied“ von Dr. Gisela Born-Siebicke



 

Der Kreis Neuwied zeichnet sich durch eine vielgestaltige Landschaft aus: Das weinbaugeprägte, romantische Rheintal, die entwicklungskräftige Wirtschaftsregion im Neuwieder Becken und die ausgedehnten Höhengebiete mit weit gestreuten Siedlungsansätzen und dem Nebeneinander von Landwirtschaft, Erholungsräumen und dynamischen Gewerbegebieten. - Dabei prägen fast in allen Regionen ausgedehnte Waldgebiete das Landschaftsbild mit. DerWald  nimmt mit einer Ausdehnung  von  28.322 ha ca. 45 % der Kreisfläche von 62.680 ha ein. (Im Vergleich dazu liegt der Waldanteil bundesweit lediglich bei ca.  30%.) Er bietet damit weiträumige Erholungsmöglichkeiten und sorgt für ein gesundes ökologisches Gleichgewicht im Naturhaushalt unseres Kreises. Mit seinem feinverästelten Wurzelwerk fördert er die Grundwasserneubildung und filtert mit seinen Laub- und Nadelkronen die Luft – auf einem Baum setzen sich immerhin  bis zu 700 Kilogramm pro Jahr an Staub ab. Der besondere Beitrag der Waldflächen zum Klimaschutz macht den Kreis zur Grünen Lunge am Rande von Ballungsgebieten. In der Gesamtmasse seines Holzes wird jährlich mehr als das Achtfache  dessen an Kohlendioxid gespeichert, was durch die Bevölkerung des Kreises freigesetzt wird.

Kreisweit  wechseln sich ganz unterschiedliche Waldbilder ab: An die durch den trockenen  Standort geprägten Wälder der Felshänge des Rheintales  schließen sich   ausgedehnte Laub- und Nadelholzbestände vom Rheintal bis in die Höhengebiete des Kreises an. Denen stehen die waldärmere Grünlandregion im niederschlagsreichen Asbacher Land und der Ballungsraum der Stadt Neuwied gegenüber. Entsprechend unterschiedlich stellt  sich der regionale Waldanteil dar: Mit Ausnahme der Verbandsgemeinde Asbach (mit lediglich 25%)  und der Stadt Neuwied (mit 33%) macht die Waldfläche bei allen anderen Verbandsgemeinden fast die Hälfte ihres Gebietes aus. Spitzenreiter ist die Verbandsgemeinde Bad Hönningen mit immerhin 67% (vgl. Tabelle 1).

 

Tabelle 1: Verteilung der Waldflächen im Kreis Neuwied

 

Die Verteilung des Waldbesitzes im Kreis ist charakteristisch und resultiert aus den geschichtlichen  Gegebenheiten der Waldnutzung. Staats- und Körperschaftswald – das sind im Kreis Neuwied fast ausschließlich die Gemeinden - machen ca. 50 % der Fläche aus. Dieser hohe Anteil zeigt die existenzielle Bedeutung, die der Waldbesitz in früheren Zeit zur gemeinschaftlichen Versorgung mit Brenn- und Bauholz oder Grubenholz, aber auch als Waldweide oder zur Gewinnung von Viehfutter und Laubstreu gehabt hat.

Die andere Hälfte der  Waldfläche im Kreis wird privat bewirtschaftet. Darunter fallen einerseits die ausgedehnten zusammenhängenden Waldflächen des Fürstenhauses Wied bzw. der Nesselrode’sche Besitz und andererseits  die historischen Märkerschaften  sowie mit ca.  17.150 Betrieben eine Vielzahl kleiner und mittelgroßer Waldbesitzer.  Diese zweite Gruppe des Privatwaldes weist teilweise sehr schwierige, überaus kleinräumige Strukturen auf. Sie bewirtschaftet zwar  immerhin  etwa ein  Drittel der Waldflächen im Kreis, die Besitzgröße reicht allerdings von weniger als 0,1 ha bis zu mehreren hundert Hektar (insgesamt Angaben  Forstamt Dierdorf 2004).

 

Der räumliche Schwerpunkt des Privatwaldanteiles liegt eindeutig im Norden des Kreises, im Bereich des (ehemaligen) Forstamtes Linz mit seinen waldreichen Rheintalverbandsgemeinden Unkel, Linz und Bad Hönningen. Für diese Konzentration ist die spezifische Verbindung maßgebend, die in früheren Zeiten zwischen dem Weinbau der Region und  der Waldwirtschaft bestand. In dem vom  Wingerten geprägten, engen Rheintal hatten die gemeindeeigenen Höhengebiete besondere Bedeutung als Grundlage der notwendigen gemeinschaftlichen Viehhaltung. Für die einzelnen Winzer war jedoch die Gewinnung  der zur Reberziehung notwendigen Weinbergspfähle („Rahmgewächs“) besonders wichtig. Diese Jahrhunderte alte Nutzungsform, bei der in kurzen Umtriebszeiten immer wieder Holz in jungen Laubholzbeständen eingeschlagen wurde („auf den Stock gesetzt wurde“), führte zu charakteristischen Niederwaldbildern aus Hainbuche, Eiche oder Rotbuche. In früheren Jahrzehnten  machte dieser Niederwald immerhin fast ein Drittel  des Privatwaldes im Kreis  aus und prägte das Waldbild in der Umgebung der Dörfer.

 

Angesichts der  zersplitterten Besitzverhältnisse gestaltete sich die Bewirtschaftung des Privatwaldes im Kreis Neuwied seit je her schwierig. 1973 wurde der Kreiswaldbauverein Neuwied als Interessenvertretung des privaten Waldbesitzes im Kreis Neuwied gegründet. Er trat mit seiner Einrichtung  an die Stelle von fünf altrechtlichen Waldbaugenossenschaften in Kreis. Grundlage der Arbeit des Kreiswaldbauvereins bildete das  Landesforstgesetz von 1974, das  die Privatwaldbetreuung und seine Verankerung beim staatlichen Forstamt regelte. Zu dieser Zeit existierten im Kreis Neuwied noch drei Forstämter: Dierdorf, Rengsdorf und Linz. Aufgrund der Vielzahl des Kleinprivatwaldbesitzes im Norden stand im (damaligen) Linzer Forstamt ein eigener Privatwaldbetreuer als Ansprechpartner zur Verfügung, während in den übrigen Regionen diese Aufgabe von den kommunalen Revierbeamten mit übernommen wurde. Als Schaltstelle zur Forstverwaltung bündelt der Kreiswaldbauverein die Interessen der zahlreichen Kleinprivatwaldbesitzer und erwirkt eine Förderung  für wichtige forstbetriebliche Maßnahmen wie Aufforstungen, Jungwuchspflege und Wegebau. Mit zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen trägt er darüber hinaus zur praktischen Schulung der Waldbesitzer bei. Aktuell werden im Kreiswaldbauverein ca. 360 Mitglieder und ca. 7.000 ha Waldfläche betreut.

 

Dabei blieb die Arbeit für den Forst nicht unberührt von dem raschen Strukturwandel, der sich in der Landwirtschaft während der letzten Jahrzehnte auch im Kreis Neuwied vollzogen hat. Seit 1971 haben hier rd. zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe aufgegeben.  Von 2.498 Betrieben im Jahr 1971 ist die Zahl  gesunken auf 844 im Jahr 1995. Hinsichtlich des Flächenanteils hat der Wald davon profitiert. Im gleichen Zeitraum wuchs die Waldfläche des Kreises um 1.000 ha, d.h. um fast 4%, von 27.273 ha auf 28.322 ha.

Verringerung der Anzahl der Betriebe hat jedoch zur Konsequenz,

- dass die Bewirtschaftung der Waldflächen immer weiter entkoppelt wird von der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes oder eines Winzerbetriebes.

- dass bei einem Generationenwechsel die nachfolgende junge Generation der Waldbesitzer häufig wieder neu für die Arbeit im  Wald  gewonnen werden muss.

Dieser Entwicklung versuchte der Kreiswaldbauverein zu begegnen, indem er sich hin zu einer echten Forstbetriebsgemeinschaft entwickelt hat und den Besitzern kleinerer und mittlerer Waldflächen zunehmend Hilfestellung bei der kostengünstigen Bewältigung ihrer Aufgaben leistet. Mit der Einrichtung eines eigenen Maschinenparkes, ausgestattet z.B. mit einem Splittersuchgerät zur Ermittlung von Metallteilen im Holz, von Hochsägen zur Stammpflege in Jungbeständen und eines Holzspalter für die Brennholzgewinnung, hat der Kreiswaldbauverein hier in den letzten Jahren einen wichtigen  Schritt nach vorn getan.

 

Eine bessere Marktorientierung für das weitgestreute, kleinteilige Holzangebot des Privatwaldes wurde 1992 mit der Einrichtung eines neuen, sehr verkehrsgünstig gelegenen  Holzlagerplatzes in Kretzhaus ermöglicht. Auf diesem Platz hat sich mittlerweile eine überregional anerkannte Verkaufsveranstaltung mit einem kontinuierlich hohen Angebot an hochwertigem Laubstammholz entwickelt. Davon hat in den letzten Jahren besonders die im Kreis weitverbreitete Kirsche profitiert – eine Baumart, die unter hiesigen Wuchsbedingungen gerade auch im Kleinprivatwald in guten Qualitäten zu finden ist.

Diese Verkaufsveranstaltung stellt für die kleineren Privatwaldbesitzer eine  wichtige Möglichkeit dar, ihr Angebot zu bündeln und höhere Stammholzpreise zu erzielen. Das ist besonders wichtig, da sich die Schere von Kosten und Erträgen für die Waldbesitzer in den vergangenen Jahren immer weiter geöffnet hat:

- Im Gründungsjahr des Vereins  1973 lag der Preis beim Leitsortiment Fichte bei  ca. 50 €; im aktuellen Forstwirtschaftsjahr 2004 erlöst der Waldbesitzer nur wenig mehr, ca. 54 €.

- Eine Kennziffer auf der Ausgabenseite bilden die Aufwendungen für eine Waldarbeiterstunde. Sie lagen vor 30 Jahren bei ca. 10,50 DM (ca. 5,35 €) -  heute hat sich das Kostenniveau verdreifacht.

 

Der Blick auf die Marktpartner unserer Waldbesitzer zeigt folgendes Bild: Der starken Zersplitterung des Angebotes steht ein Konzentrationsprozess in der Holzindustrie auch in unserem Kreis  gegenüber. Früher existierte in vielen Ortschaften ein Netz kleinerer Sägewerke, heute gibt es im Kreis Neuwied noch vier. Die Kleinmengen, die im Privatwald angeboten werden, sind kaum noch interessant für die größeren Säger, und so wird z.B. das Sortiment für Papierholz häufig nicht mehr vom Waldbesitzer selbst, sondern nur noch von großen Einschlagunternehmen aufgearbeitet, die den Verkauf in Eigenregie durchführen. Die Wertschöpfung bleibt somit nicht mehr beim Waldbesitzer.

Insgesamt bleibt der Forstsektor aber auch im Kreis Neuwied weiterhin ein durchaus respektabler Arbeit- und Auftraggeber durch den Einsatz von Waldarbeitern, Aufträge an forstliche Lohnunternehmen, Tiefbauunternehmen und Baumschulen sowie im Bereich der Forstverwaltung.

Die Verbesserung der Absatzchancen des heimischen Holzes war auch der Beweggrund für den Kreiswaldbauverein, sich in den letzten Jahren für die Zertifizierung des Privatwaldes nach den Kriterien des paneuropäischen Forst-Zertifikats „PEFC“ einzusetzen. Dieses PEFC - Label soll dem Verbraucher  beim Kauf zur Orientierung dienen und ihm eine Garantie für eine nachhaltige Wirtschaftsweise bei der Holzerzeugung  im heimischen Wald geben. Ein  Angebot, das zunehmend auch von den Waldbesitzern im Kreis Neuwied in Anspruch genommen wird. Angesichts der schwierigen Strukturen des Holzmarktes  wird es nicht einfach sein, die Absatzmöglichkeiten zum Wohle der Waldbesitzer zu verbessern - für den heimischen Waldliebhaber ist das Kennzeichen aber auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, eine direkte Verbindung zwischen dem vielseitigen Einsatz von Holz als umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoff und der nachhaltigen Bewirtschaftung der heimischen Forste im Kreis Neuwied herzustellen.

 

Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohlorientierung des Waldes – das sind Funktionen, die auch im Kreis Neuwied nicht immer einfach zur Deckung gebracht werden können. Der Kreis zeichnet sich durch seine große Naturnähe und Naturbetontheit aus, weite Teile seines Gebietes gehören zum Naturpark Rhein-Westerwald. Dies hat ihn in der Vergangenheit zu einem besonders attraktiven Wohnstandort gemacht. In den vergangenen 15 Jahren ist  die Wohnbevölkerung um immerhin ein Fünftel gewachsen von 154.779 Einwohnern (1987) auf 184.797 Einwohner (2002). Für zahlreiche Gemeinden sind die Einnahmen aus dem  Fremdenverkehr traditionell ein  wichtiges wirtschaftliches Standbein.  Dabei sind  die Waldgebiete  zum bevorzugten Naherholungsgebiet geworden mit allen Konsequenzen, die durch den Erholungsdruck auf Wald und Wild entstehen.

 

Andererseits hat der Wald im Kreis regionalplanerisch eine neue Funktion gewonnen: Der Bau der ICE-Tasse Köln-Rhein/Main im Jahr 1996 bedeutete einen erheblichen Eingriff in Natur und Landschaft des Kreises. Als Folge des Flächenverbrauches durch den Bahnbau wurden erhebliche ökologische Kompensationsmaßnahmen notwendig. Diese stützten sich  in großem Umfang auf  waldbauliche Maßnahmen: Auf ca. 700 ha fand ein Voranbau von Laubholz in Nadelforsten statt, auf ca. 46 ha wurden breite gestufte Waldsäume angelegt sowie auf ca. 57 Hektar werden Flächen mit Laubwald neu aufgeforstet – waldbauliche Perspektiven sowohl für den Privatwald wie auch für die Kommunen mit ihren umfangreichen  Waldflächen. - Die Nutzung des  Waldes als nachwachsende Energiequelle, der Wald als Kohlenstoffsenke, das sind Ansätze einer nachhaltigen Umweltpolitik, wie sie im Kreis Neuwied beispielsweise durch den Einbau von Holzhackschnitzelheizungen an Schulen verwirklicht werden sollen.

 

Die aktuelle Forststrukturreform hat dazu geführt, dass es mit Beginn des Jahres 2004 nur noch ein neues, kreisweites Forstamt Dierdorf mit einer Gesamtwaldfläche von ca. 24.000 ha gibt.  Wichtig ist dabei für den Kreiswaldbauverein, dass die  Privatwaldbetreuung auch in dieser größeren Einheit in der bisherigen Form erhalten bleibt. – Der Wald prägt die Landschaft des Kreises Neuwied, ist wichtiger Faktor im Naturhaushalt und leistet einen Beitrag zur wirtschaftlichen Wertschöpfung. Dies muss auch in Zukunft so bleiben. Das Denken der Waldbesitzer in Generationen ist Voraussetzung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung: „Festzuhalten ist, dass die Forstwirtschaft gerade durch die bisher ausgeübte Bewirtschaftung den schützenswerten Zustand in Jahrzehnten, oft in Jahrhunderten herbeigeführt hat.“

(Claudia Martini, Forstministerin a.D., bei Vorstellung des neuen Landeswaldgesetzes im Jahr 2000).